In Spanien ist das Thema Lebensabend vielfältig und von gesellschaftlichem Wandel geprägt. Während das Bild vom traditionellen Familienzusammenhalt weiterhin eine große Rolle spielt, stehen ältere Menschen vor komplexen Entscheidungen: Bleiben sie in den eigenen vier Wänden, ziehen sie in eine Residenz oder wagen sie den Schritt in innovative Wohnformen wie Cohousing?
Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt 4.596 Pflegeheime mit insgesamt 348.567 Plätzen, doch das reicht bei weitem nicht aus. Zwei Drittel dieser Einrichtungen sind privat, ihre Kosten liegen zum Beispiel in Barcelona bei durchschnittlich 2.500 Euro pro Monat. Hinzu kommt: Auf einen Platz in einer öffentlichen Residenz wartet man oft mehrere Jahre. Die Bewohner sind meist hochbetagte Frauen, der Einzug erfolgt oft spät und aus Notwendigkeit, nicht aus freier Wahl.
Dennoch lebt die große Mehrheit der älteren Menschen weiterhin zu Hause. Von Spaniens 5,4 Millionen Einpersonenhaushalten besteht ein erheblicher Anteil aus Menschen über 65 Jahren, meist Frauen. Häufig leben Hochbetagte allein, doch der Kontakt zur Familie bleibt kulturell bedeutsam – gemeinsame Sonntagsessen und gegenseitiger Respekt sind fest verankert.
Zwischen diesen beiden Polen entstehen neue Modelle. Senior Living steht noch am Anfang, wächst aber. Besonders dynamisch entwickelt sich das Cohousing: Hier verbindet sich Individualität mit Gemeinschaft, indem ältere Menschen zusammenleben, aber jeweils ihre eigene Wohnung behalten. Die Nachfrage steigt, doch bislang bleibt das Angebot begrenzt.
Spaniens Gesellschaft altert rasant, und die Nachfrage nach passenden Wohn- und Pflegeformen wird weiter zunehmen. Die Zukunft liegt vermutlich in einem Mix aus bewährter Familiennähe und innovativen, gemeinschaftsorientierten Konzepten, die Selbstbestimmung und soziale Einbindung im Alter ermöglichen.
Quelle: Agenturen





